Mythen-Check, Teil 1: „ADHS haben vor allem Jungs“ – warum ADHS bei Frauen oft übersehen wird

„ADHS? Das sind doch die zappeligen Jungs in der letzten Reihe.“ Dieses Bild hält sich hartnäckig. Es ist ein Grund, warum ADHS bei Frauen oft erst spät erkannt wird, manchmal erst mit 35 oder 45.
Was an dem Mythos stimmt und was nicht
Ja, bei Kindern wird ADHS bei Jungen deutlich häufiger diagnostiziert als bei Mädchen. Bei Erwachsenen ist der Unterschied aber viel kleiner. Fachleute gehen davon aus, dass viele Mädchen und Frauen schlicht nicht erkannt werden. ADHS ist also nicht „männlich“. Es fällt bei Jungen nur eher auf.
Warum ADHS bei Frauen oft übersehen wird
Leise statt laut. Bei vielen Mädchen und Frauen steht die Unaufmerksamkeit im Vordergrund. Wer still aus dem Fenster schaut, stört niemanden und gilt eher als verträumt.
Unruhe nach innen. Hyperaktivität zeigt sich oft als Gedankenkarussell, Reden ohne Pause oder das Gefühl, nie abschalten zu können.
Masking. Viele Frauen kompensieren jahrelang: Listen, Überstunden, Perfektionismus. Nach außen wirkt alles im Griff. Innen kostet es enorm viel Kraft.
Andere Diagnosen zuerst. Häufig werden zuerst Depression, Angst oder Erschöpfung behandelt. Das kann zusätzlich zu ADHS bestehen. Die Ursache darunter bleibt dann aber oft unentdeckt.
Hormone. Viele Frauen berichten, dass ihre Symptome vor der Periode, nach einer Geburt oder in den Wechseljahren stärker werden. Die Forschung dazu ist noch jung, die Hinweise mehren sich aber.
Woran du dich vielleicht wiedererkennst
Du hast das Gefühl, dich mehr anstrengen zu müssen als andere, um das Gleiche zu schaffen? Du vergisst Termine, obwohl du sie dreimal notiert hast? Kritik trifft dich tief, und abends bist du völlig leer? Und das kennst du im Grunde schon seit der Schulzeit?
Das ist noch keine Diagnose. Aber ein guter Grund, genauer hinzuschauen. Mehr typische Anzeichen findest du hier: ADHS bei Erwachsenen erkennen.
Wie es weitergehen kann
Bei Psymondo in München bieten wir eine sorgfältige ADHS-Diagnostik für Erwachsene an. Wir schauen dabei auch auf deine Kindheit und auf andere mögliche Ursachen. Danach kann eine ADHS-Therapie helfen, Strategien zu finden, die zu deinem Alltag passen. Oder du merkst in unserer ADHS-Gruppentherapie, dass du mit deinen Erfahrungen nicht allein bist.
Kurz beantwortet
Haben Frauen seltener ADHS als Männer?
Bei Kindern wird ADHS bei Jungen deutlich häufiger diagnostiziert. Bei Erwachsenen ist der Unterschied kleiner. Vermutlich bleiben viele Frauen einfach unerkannt.
Wie zeigt sich ADHS bei Frauen?
Oft leiser: Unaufmerksamkeit, innere Unruhe, Vergesslichkeit, starke Gefühle und Erschöpfung durch ständiges Kompensieren. Häufig wird zuerst eine Depression oder Angststörung erkannt.
Kann ich mich auch mit 40 noch auf ADHS untersuchen lassen?
Ja. Eine ADHS-Diagnostik ist in jedem Erwachsenenalter möglich. Bei Psymondo führt sie Vanessa Tobisch durch, approbierte Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie und Psychologin (M. Sc.). Das Erstgespräch findet in der Regel per Video statt, die Testung vor Ort in München.


